Zur Geschichte unseres Hauses



Am 13. Dezember 1907 wurde unter dem Protektorat Ihrer Durchlaucht, Frau Fürstin Pauline zu Bentheim und Steinfurt, und unter dem Vorsitz des Landrats Plenio ein Verein "Kinderheim in Gottesgabe" für den Kreis Steinfurt gegründet mit dem satzungsmäßig festgelegten gemeinnützigen und wohltätigen Zweck, für Kinder, welche einer Solbadekur bedürftig sind, soweit sie nicht mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, aus minderbegüterten und unbemittelten Familien ein Kinderheim in Gottesgabe zu errichten und zu unterhalten.

Im Mai 1909 begann der Verein Kinderheim damit, nördlich von dem Gradierwerk, welches zu der Zeit noch eine durchgehende Länge von etwa 400 Metern hatte, und nahe dem Salinenkanal nach vorheriger Entwässerung des feuchten Geländes eine Kindererholungsstätte auf einem Grundstück zu errichten, das er durch Austausch mit einem von der Stadt Rheine ihm geschenkten Grundstück von dem Fürsten von Rheina-Wolbeck erworben hatte. Das geschmackvolle und der Landschaft angepasste Haus wurde ebenso wie zuvor das Kurhaus nach den Plänen des Architekten Holtmann aus Münster erbaut. Die Errichtung des Kinderheims erforderte Aufwendungen in Höhe von 128.367,48 Mark.

Da das Grundstück, auf dem das Kinderheim errichtet wurde, eine unzureichende Größe aufwies, pachtete der Verein am 01. April 1909 als Spiel- und Liegewiese für die Dauer von 40 Jahren ein zwischen den Solereservoirs und dem Kinderheim gelegenes 109,47 Ar großes Grundstück an. Die Saline "Gottesgabe" lieferte dem Verein die zum Baden der Kinder erforderliche Sole zum Preis von 50 Pfennig für jedes Bad sowie die für Badezwecke benötigte Mutterlauge, die aus den zwischen Kinderheim und Saline liegenden Reservoirs über den hölzernen Soleturm ins Haus gepumpt wurde.
Kinderheim kurz nach dem Bau


Am 06. Juni 1910 nahm das neu erbaute Kinderheim seinen Betrieb auf.

Das Kinderheim erfreute sich großer Beliebtheit. Schon im Jahr 1913 beschloss der Verein, die Anzahl der Betten von 50 auf 100 zu erhöhen. Häufig konnten gar nicht alle Bewerbungen berücksichtigt werden.

Die Beaufsichtigung und Pflege der Kinder erfolgte durch Schwestern aus der Genossenschaft der Barmherzigen Clemensschwestern in Münster.

Am 31. Dezember 1936 vermietete der Verein der Provinzialverwaltung die Kinderheilanstalt Gottesgabe einschließlich Grund und Boden zum Betrieb eines Kindersolbades, da er die an ihn gerichteten Auflagen (unzulängliche räumliche Unterbringung, unzureichende ärztliche Versorgung, Fehlen einer Liegehalle...) aus finanziellen Gründen nicht mehr erfüllen konnte.

Das Kinderheim wurde von der Provinzialverwaltung jetzt als Kinderkuranstalt "Sonnenschein" bezeichnet. 1938 wurde das Heim durch einen Anbau erweitert. Ab dem 01. Januar 1937 wurden in sechswöchigen Kuren jeweils 100 bis 120 Kinder von Kindergärtnerinnen betreut. Aus dieser Zeit stammen die folgenden Fotos:

Gebäudeansicht der Kinderkuranstalt/ Kindersolbad "Sonnenschein"
Gemeinschaftsraum Essenssaal
Gemeinschaftsraum Tagesraum










Gemeinschaftsraum Schlafraum
Medizinische Hilfe gibt es im Untersuchungsraum
Röntgendiagnostik findet im eigens eingerichteten Zimmer statt










Die Badekuren wurden mit einer Unterbrechung in der Zeit von August 1939 bis November 1940 durchgeführt. In dieser Zeit diente das Haus zunächst als Unterkunft für Reservisten und sodann als Lazarett.

Ab November 1943 mussten sie wegen der zahlreicher gewordenen Bombenangriffe auf Rheine und den nahe gelegenen Flughafen Bentlage ganz eingestellt werden.

Von Anfang Dezember 1944 bis zum 09. Februar 1946 diente das Kinderheim dem Mathias-Spital Rheine als Teillazarett. Das Hochwasser der Ems im Februar 1946 machte die Räumung des Hauses erforderlich.

Die Provinzverwaltung wollte im Frühjahr 1946 das Haus nach Renovierung wieder als Kinderkuranstalt übernehmen, was jedoch an der Freigabe durch die Militärverwaltung, die das Gebäude beschlagnahmt hatte, scheiterte.

Rotlicht-Bestrahlungen mit UV-Therapie im Bestrahlungszimmer
Wannenbäder mit solehaltigen Zusätzen
Inhalationen im Inhalatorium










Nach Sport und Spiel ist Duschen im Brauseraum angesagt
...ebenso das Spielen auf dem Spielplatz
Sportliche Betätigung stand auf der Tagesordnung










Tägliche Liegekur im Angesicht der Saline zwecks Einatmen der salzhaltigen Luft in der Liegehalle, die heute noch existiert


Ab dem 01. November 1946 wurde auf Betreiben des Kreisarztes, Obermedizinalrat Dr. Fromme, dort ein Hilfskrankenhaus für vorwiegend an Tuberkulose erkrankten Flüchtlingen eingerichtet. Das frühere Kinderheim nannte sich jetzt "Hilfskrankenhaus Sonnenschein", durch Beschluss des Kreistages vom 12. Mai 1947 in "Hilfskrankenhaus Gottesgabe" umbenannt.

Am 31.03.1951 wurde das zwischen dem Verein "Kinderheim in Gottesgabe" und dem Provinzialverband Westfalen bestehende Vertragsverhältnis einvernehmlich aufgelöst.

Am 01. April 1951 vermietete der Verein das Haus für die Dauer von 10 Jahren an den Kreis Steinfurt.
In dem daraufhin "Kreiskinderheim" genannten Haus wurden Flüchtlingskinder untergebracht, deren Eltern vermisst oder gestorben waren oder sich von ihnen abgewandt hatten. In den Jahren 1951 bis 1960 war das Kreiskinderheim durchschnittlich mit 145 Kindern belegt, die von Schwestern der Kongregation der Mägde Mariens betreut und versorgt wurden. Solebadkuren wurden keine mehr durchgeführt, so dass das Kinderheim nicht mehr gemäß seinem ursprünglichen Zweck genutzt wurde.
Die folgenden Fotos geben einen Einblick in diese Zeit:


Vor dem Fußballspiel
Erstkommunion der Mädchen aus dem Kinderheim vor dem Eingangsportal des Gertrudenstifts
Schwesternkonvent aus der Zeit von 1951-1960










Spielspaß auf der Rutsche hinter dem Haus
Lagerfeuerromantik am Abend
Kreisspiele vor dem Kinderheim
Wasserbecken mit Bademöglichkeit vor dem Kinderheim















Gemäß dem Beschluss der Mitgliederversammlung des "Vereins Kinderheim in Gottesgabe" vom 07.02.1959 erwarb der Kreis Steinfurt den Grundbesitz des Vereins mit Gebäuden und Zubehör durch Kaufvertrag vom 01.06.1960. Vom Jahre 1960 an verringerte sich die Zahl der im Heim untergebrachten Kinder auf zunächst 100 und dann 80. Ab dem 01. Juni 1967, als in einigen Räumen des Kinderheimes eine Tagestätte für geistig behinderte Kinder eingerichtet wurde, betrug die Zahl der ständig untergebrachten Kinder noch 60.
In der Sitzung vom 13. April 1966 beschloss die Mitgliederversammlung des Vereins "Kinderheim in Gottesgabe für den Kreis Steinfurt" nach Verteilung des Vereinsvermögens für karitative Zwecke seine Auflösung.
Das Vermögen wurde unter anderem an den Kreis Steinfurt für den Ausbau und die Erneuerung des Kreiskinderheimes und an die Stadt Rheine für die Erweiterung oder für den Neubau eines Waisenhauses, dessen Träger ggf. der Caritasverband sein sollte, gegeben.

Mit Beginn des Schuljahres 1970/1971 begann im ehemaligen Kreiskinderheim die Bischöfliche Fachschule für Sozialpädagogik in der Trägerschaft des Bischofs von Münster mit der Ausbildung der ersten Erzieherinnen und Erzieher.

Nach mehrjähriger Bauzeit konnte am 01. Juli 1971 das Caritas Kinder- und Jugendheim am Unland bezogen werden. Aus Platzgründen musste in den ersten Jahren noch eine Gruppe im ehemaligen Kreiskinderheim, der heutigen Josef-Pieper-Schule, untergebracht werden.

Nach Umzug der letzten Kinderheimkinder in das mittlerweile erweiterte Haupthaus am Unland, etablierte sich die "Bischöfliche", wie sie im Volksmund genannt wurde, zu einer festen Größe in der Rheinenser Schullandschaft.
Ein der Schule angegliederter Seminarkindergarten mit einer Gruppe ergänzte die schulpraktische Ausbildung direkt vor Ort in der Schule.

Zum Schuljahr 1988/89 kam die Fachschule für Heilpädagogik hinzu. Ende der 90iger Jahre weitete sich die Schule mit weiteren Bildungsgängen zu einem Bischöflichen Berufskolleg mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Soziales aus. Um- und Anbaumaßen, die den Erfordernissen eines modernen Berufskollegs entsprechen, wurden im Jahr 2000 abgeschlossen. Mit der Inbetriebnahme verbunden wurde auch die Namengebung der Schule: "Josef-Pieper", in Erinnerung an den aus Elte stammenden theologischen Anthropologen und Philosophieprofessor in Münster.

Mittlerweile deckt die Josef-Pieper-Schule die wesentlichen vollzeitschulischen Bildungsgänge im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens ab. Sie erfreut sich mit ihren ca. 400 Schülerinnen und Schülern großer Akzeptanz in der Stadt und der näheren Umgebung und ist aus der Rheinenser Schullandschaft nicht mehr wegzudenken.
Josef-Pieper-Schule
Salinenstraße 109
48432 Rheine


Telefon: 05971-55241
Telefax: 05971-50231


e-mail:
josef-pieper-bk@bistum-muenster.de